Personalia

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+ Frau Prof. Dr. Ágnes Heller, ungarische Philosophin und Inhaberin der Hannah Arendt Professur an der New School for Social Research in New York; Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Budapest) - Zur Person in ihrer Zeit

+ Frau Univ.-Prof. Dr. Erszébet Rózsa, Lehrstuhlinhaberin für Philosophie an der Universität Debrecen - Kurzlebenslauf

+ Herr Univ.-Prof. Dr. Volker Gerhardt, Lehrstuhlinhaber für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin- Kurzlebenslauf

+ Herr Univ.-Prof. Dr. Michael Quante; Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Universität zu Köln - Kurzlebenslauf

+ Frau Zsófia BALLA, Lyrikerin - Lebenslauf

+ Herr Csaba BÁTHORI, Lyriker, literarischer Übersetzer, Essayist - Lebenslauf
 


Zur Person in ihrer Zeit: Frau Prof. Dr. Ágnes Heller, ungarische Philosophin und Inhaberin der Hannah Arendt Professur an der New School for Social Research in New York; Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Budapest)

Geb. am 12. Mai 1929 in Budapest, gelang es ihr als Tochter jüdischer Eltern – ihr Vater war Rechtsanwalt und ein bürgerlicher Politiker, der mit einem Teil der in Budapest, Wien und Brünn lebenden Familie die Verfolgung der Juden unter der nationalistischen Besetzung der Heimat nicht überlebte und in Auschwitz ermordet wurde – zusammen mit ihrer Mutter, durch Geistesgegenwart aus dem Deportationsmarsch und mit bloßem Glück den berüchtigten Erschießungskommandos der Pfeilkreuzler am Donauufer zur entkommen. Nach ihrem Abitur 1947 begann sie ein naturwissenschaftliches Studium (Physik und Chemie), gab es aber zugunsten der Philosophie auf, nachdem sie zufällig eine Vorlesung bei dem marxistischen Philosophen György (Georg) Lukács gehört hatte: Mit ihrem Wunsch, Lukács’ Ideen verstehen zu lernen, trug sie – unbewußt – der Vorstellung ihres Vaters Rechnung, sie sollte entweder Philosophin oder Komponistin werden, weil es für diese seine Tochter nur den absurdesten Beruf geben könne.

Nach den Greueln der Verfolgung und des blutigen Terrors erschienen ihr Lukács’ lebensphilosophische Ansätze, seine Ablehnung von Irrationalismus, Faschismus und Imperialismus, auch ein der Zukunft zugewandter ideologisch verbrämter Optimismus als Grundlagen für einen verheißungsvollen Neubeginn in einer besiegten Nation: Wie konnte sie, wie konnte die Menschheit in einer modernen Welt nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts leben? Was ist das Wesen von Gut und Böse, was ist deren Ursprung – und welche Welt konnte diese von Heller selbst erlebten Geschehnisse zulassen: gibt es eine Rettung, eine Erlösung für diese Welt? Auschwitz – und später auch den Stalinismus – verstehen zu können bestimmte von da ab ihr Leben und lenkte sie zur Beschäftigung mit Geschichts- und Moralphilosophie.

1949 heiratete Heller und wurde Mutter einer Tochter, im selben Jahr trat sie der Kommunistischen Partei bei. Ihre bei der Beschäftigung in der zionistischen Bewegung entstandene Idee, im Marxismus den Schulterschluß mit den Armen zu praktizieren, hielt sie von der Auswanderung nach Israel ab – neben ihrer Liebe als einer ungarischen Jüdin zu ihrer Heimat. Die Erwartung der Kommunistischen Partei, daß sich ihre Mitglieder dem allumfassenden "demokratischen Zentralismus" unterwerfen müßten, kollidierte mit Hellers Wunsch nach freiem Denken; die Folge war der Hinauswurf aus der Partei nach nur zwei Jahren Mitgliedschaft wegen fehlender Linientreue, zugleich verlor sie ihre Stelle an der Universität und wegen des Veröffentlichungsverbots ihre zuvor reichlich genutzten Publikationsmöglichkeiten. Die nächsten fünf Jahre hielt sie sich als Lehrerin an einer Mädchenschule über Wasser.

Nach der zwischenzeitlichen Scheidung heiratete Heller ihren Kommilitonen, den späteren Literaturkritiker und Philosophen Ferenc Fehér (1964 wurde ein Sohn geboren). Die Zeit war von dem 1949 an die Macht gekommenen Kommunisten Mátyás Rákosi mit seiner Imitierung der stalinistischen Herrschaft und den der Bevölkerung aufgezwungenen Entbehrungen als Folge der Zwangskollektivierung von 300.000 bäuerlichen Privatbetrieben und der damit einhergehenden Produktionsausfällen geprägt. Sämtliche Macht im Staat und in der Partei war in seiner Hand vereinigt (und in der einer ihm ergebenen Clique); die 100.000 Personen Mitarbeiter und Spitzel umfassende, als Staat im Staat agierende Staatsschutzbehörde war das auf Rákosi eingeschworene Unterdrückungsinstrument, mit dem echte, vermeintliche und erdachte Feinde – oder Rivalen um die Macht – gemäß der These Stalins vom sich ständig verschärfenden Klassenkampf terrorisiert und ausgeschaltet wurden. 1,1 Millionen Ungarn (und damit statistisch jeder neunte Einwohner jeglichen Alters) wurden mit Verfahren überzogen und fast die Hälfte von ihnen verurteilt. Mit dem Tode Stalins (5. März 1953) mußte Rákosi die Macht an die erste Regierung von Imre Nagy abgeben, eine teilweise Revision der bisherigen Politik fand statt. So konnte Heller die Vorbereitung ihrer Dissertation vorantreiben; sie wurde 1955 von Lukács promoviert und dann als seine Assistentin an der Budapester Universität beschäftigt.

Unter dem Terror Rákosis war die anfangs lebendige Philosophengruppe der Studenten um Lukács (eine Art Vorläufergruppe zu der "Budapester Schule" ab 1963), mit der auch Künstler und Intellektuelle intensiven Umgang pflegten, zu einem an weniger als zehn Fingern abzuzählenden Grüppchen zusammengeschmolzen. Das hinderte Lukács nicht, auf einer neuen Plattform, nämlich dem im März 1956 ins Leben gerufenen "
Petőfi-Kreis" (Petőfi kör), alsbald die intellektuelle Führerschaft zu übernehmen – spätestens mit seinem großen Auftritt am 16. Juni 1956, als das Thema "Philosophie" besprochen wurde. Beim "Petőfi-Kreis" handelte sich um ein Diskussionsforum, das von der Parteijugend mit Unterstützung der kommunistischen Jugendorganisation (DISz) ins Leben gerufen worden war, um Chruschtschows durchgesickerte Geheimrede, die dieser am 25. Februar 1956 auf dem XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gehalten und in der er mit Stalins Personenkult und dessen Verbrechen abgerechnet hatte, außerhalb der Parteigremien von Interessierten aus Politik, Wissenschaft und Kunst, aber auch von der seit 1948 ausgestoßenen und verfemten Elite und universitären Interessenten diskutieren zu können. Auch fanden sich Begünstigte der von Imre Nagy eingeleiteten Rehabilitierung, Amnestierung und Freilassung der Opfer des Rákosi-Regimes ein und prangerten die Foltermethoden bei den Verhören und in den Gefängnissen an.

Da Imre Nagy im parteiinternen Machtkampf mit Rákosi unterlegen war (Nagy war 1953 nur Ministerpräsident geworden, während Rákosi die Macht an der Spitze der Kommunistischen Partei Ungarns als deren Erster (Partei-)Sekretär behalten hatte) und bereits im April 1955 alle seine politischen und Parteiämter wieder verloren hatte, entwickelte sich der "
Petőfi-Kreis" zu einer Unterstützungsplattform für Nagy und gleichzeitig zu einer politischen Speerspitze mit seinen alsbald laut werdenden Forderungen an die Regierung und die Kommunistische Partei zur Gewährung bürgerlicher Freiheiten. Die Rehabilitation und die am 6. Oktober 1956 vorgenommene Neubestattung des als Opfer des Personenkultes in einem Schauprozeß 1949 verurteilten und danach hingerichteten ungarischen Außenministers László Rajk war das höchstmögliche Eingeständnis, daß das stalinistische System Rákosis in Ungarn gesetzwidrig und willkürlich gewütet hatte. Die sich daraus entwickelnde explosive Spannung entlud sich 17 Tage später im Volksaufstand.

Nach eigenen Angaben – aber selbst ohne diese ist es äußerst naheliegend – war diese Revolution vom Ende Oktober auf November 1956 in Hellers Leben das bedeutendste Ereignis und eröffnete ihr eine neue Erkenntnis über Karl Marx. Die marxistische kritische Theorie in ihren Auswirkungen erschien ihr gefährlich für die gesamte politische und soziale Struktur Ungarns. Vielmehr gewann sie die Überzeugung, daß das wahre Wollen von Marx darauf abzielte, daß die Menschen politische Autonomie und kollektive Bestimmung über das soziale Leben haben sollten. Lukács und Heller, aber auch andere marxistische kritische Theoretiker hatten nach der Revolution die Überzeugung gewonnen, daß der Marxismus und der Sozialismus auf die verschiedenen Völker in individueller Weise angewandt werden müsse – womit sie die bestimmende Rolle der Sowjetunion für Ungarns Zukunft in Frage stellten. Damit befand sich Heller auf einem Kollisionskurs mit der nach Niederschlagung der Revolution von Moskau eingesetzten neuen Regierung unter János Kádár. Wieder wurde sie aus der Kommunistischen Partei entfernt und wurde ihr 1958 der akademische Arbeitsplatz durch Entlassung aus dem Universitätsdienst weggenommen, denn sie hatte sich geweigert, Lukács als Kollaborateur während des Volksaufstandes zu denunzieren. Was durch den Volksaufstand durchaus als eine Hoffnung genährt wurde, das war das Ende der kommunistischen Indoktrination, brachte aber um so schneller die Ernüchterung, weil sich Hellers persönliche Lage nicht verbesserte oder erleichterte, sondern sich vielmehr die frühere (unter-)drückende Unfreiheit alsbald wieder einstellte.

Erst fünf Jahre später, 1958, wurde sie eingeladen, am Soziologischen Institut an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften ihre Forschungen wieder aufzunehmen. Ab 1963 konnte man das Entstehen dessen beobachten, was später als die Budapester Schule bezeichnet wurde: ein von Lukács geformtes philosophisches Forum, mit dessen Hilfe die Erneuerung der marxistischen Kritik im Lichte des praktischen und theoretischen Sozialismus betrieben werden sollte. Dieser Glaube an die Reformierbarkeit des Sozialismus, an die Möglichkeit, daß im Sozialismus auch abweichende Meinungen bestehen könnten, dauerte bis zur Invasion der meisten Warschauer Paktstaaten unter der Führung Moskaus im Jahre 1968. Das von Moskau herbeigeführte Ende des Prager Frühlings bedeutete die endgültige Desillusionierung der Mitglieder der Budapester Schule. Für sie war nun deutlich, daß jede der osteuropäischen Regierungen gänzlich verrottet und die reformistische Theorie nur eine Entschuldigung war, um sich nicht dieser Erkenntnis stellen zu müssen. Die staatlicherseits wiederum verordnete Einheitsmeinung geriet in Konflikt mit dem Pluralismus der Ideen und Meinungen, aus denen sich nicht durch Wettbewerb eine als überzeugend herausstellte, sondern vom Staat jeweils eine als verbindlich dekretiert wurde.

Mit dieser Auffassung setzte sich Heller erneut in Widerspruch zur herrschenden Gruppe unter Kádár. Mit Lukács’ Tod 1971 nahm die Verfolgung der Mitglieder der Budapest Schule zu. Unter dem Mäntelchen einer wissenschaftlich ausgewiesenen Beurteilung sollte Hellers Werk gut zwei Jahre später von bestellten Gutachtern bei einem Philosophenkongreß auf konterrevolutionäre und rechtsabweichlerische Inhalte untersucht werden. Die Treibjagd wurde verstärkt, die Überwachung in Form von Hausdurchsuchungen, Bespitzelung und in den Wohnungen plazierten Abhörgeräten allumfassend ausgestaltet. Wieder verloren Heller und ihr Mann die Anstellung und konnten beide nur mit Übersetzungen wenigstens etwas Geld erwirtschaften. Diese Situaton ließ bei Heller und ihrem Man die Idee reifen, Ungarn zu verlassen. 1977 mit ihrem Mann und weiteren Mitgliedern der Budapester Schule nach Australien emigriert, erhielt Heller ein Jahr später eine Professur für Soziologie an der La Trobe Universität in Melbourne, sieben Jahre später die Hannah-Arendt-Professur an der New Yorker New School für Social Researche (New School University).

Die neue Freiheit nutzte sie intensiv für Reisen, die sie durch ganz Europa und durch viele Länder auf anderen Kontinenten führten. In Anerkennung ihres wissenschaftlichen Werkes erhält sie viele Auszeichnungen und Preise, unter anderem 1981 den Lessing-Preis der Stadt Hamburg, 1995 den Hannah-Arendt-Preis der Stadt Bremen und im selben Jahr den Széchenyi-Nationalpreis in Ungarn; 2006 wird ihr der Sonning-Kulturpreis und damit die höchste Auszeichnung Dänemarks verliehen. Ehrendoktorwürden erhält sie von Universitäten in Australien, Argentinien und Israel überreicht, im Jahre 2007 die Ehrenmitgliedschaft der Deutsch-Ungarischen Gesellschaft mit Sitz in Berlin.

Eine Vielzahl von Gastprofessuren und Gastvorträgen zeigt den inzwischen gewachsenen Ruf der Philosophin, die nach dem Bruch mit dem Marxismus und Kommunismus die Impulse in ihrer eigenen Philosophie verarbeitet. Dabei läßt sie sich von den Bedürfnissen, Konflikten und Problemen des täglichen Lebens leiten, von denen sie alle großen Leistungen der Kultur verursacht sieht. In ihrem Denkansatz erhebt sie Leben und Freiheit an prominenteste Stelle und betreibt auf dieser Grundlage die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Moderne.

Kurzlebenslauf Frau Univ.-Prof. Dr. Erszébet Rózsa, Lehrstuhlinhaberin für Philosophie an der Universität Debrecen

Geb. im ostungarischen Nádudvar (daselbst mittlerweile Ehrenbürgerin); Abitur am Gymnasium in Hajdúszoboszló, anschließend Studium der Geschichte, ungarischen Literatur und Sprachwissenschaften an der Universität Debrecen, 1972 Promotion, 1995 Habilitation, Doktorgrad der ungarischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1970 am Philosophischen Institut der Universität Debrecen tätig, dort Lehrbauftragte 1972-1974, wissenschaftliche Oberassistentin 1974-1987, Universitätsdozentin 1987-2000; Lehrstuhlinhaberin für Philosophie. Seit 1991 häufige Forschungsaufenthalte in Deutschland; 1997 Gastprofessur in Münster. Mitglied des Beirats der Internationalen Hegel-Gesellschaft. Über 150 Veröffentlichungen auf ungarisch und deutsch in Monographien und als Ko-Autorin sowie Aufsätze in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Anthologien vor allem zu Hegels Philosophie, zur Lukács-Schule und zum Thema europäische Kultur und europäische Identität. Laufendes Forschungsprojekt an der Berlin-Brandenburgischen Akademie.

Kurzlebenslauf Herr Univ.-Prof. Dr. Volker Gerhardt, Lehrstuhlinhaber für Praktische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin

1944 geb. in Guben/Brandenburg, aufgewachsen in Hagen/Westfalen, daselbst Abitur 1965; Studium der Philosophie, Psychologie, Rechtswissenschaft und Soziologie in Frankfurt und Münster; dort 1974 Promotion und nach zehn Jahren wissenschaftlicher Assistententätigkeit dann 1984 Habilitation. Ab 1985 Professor für Philosophie in Münster und 1985/1985 stellvertretender Dekan des Fachbereichs Philosophie; 1986 Gastprofessur an der Universität Zürich; von 1988 bis 1992 Leiter des Instituts für Philosophie an der Deutschen Sporthochschule in Köln und Mitglied in deren Ethikkommission (1989-1992) sowie Dekan der Fakultät für Philosophie (1989-1990); Übernahme der Gründungsprofessur für Praktische Philosophie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Neugründung des Instituts für Philosophie (Frühjahr 1992). Seit 1992 Lehrstuhlinhaber für Praktische Philosophie (Schwerpunkt: Rechts- und Sozialphilosophie) an der Humboldt-Universität zu Berlin und Geschäftsführer des dortigen Instituts für Philosophie; Honorarprofessor an der University of Wuhan/China seit 2007.

972-1975 Stellvertretender Vorsitzender der
Hochschulvereinigung für das Fernstudium bei der Westdeutschen Rektorenkonferenz in Bonn/Bad Godesberg; Vorstandsmitglied der Wissenschaftlichen Kommission für den Großversuch der Bundesländer für das Fernstudium im Medienverbund; Mitglied im Kuratorium des Deutschen Instituts für Fernstudien (DIFF) in Tübingen (1975-1980); Mitglied der Gründungskommission für die Philosophische Fakultät der Fernuniversität Hagen (1980-1984).

Seit 1998 Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und von 2001 bis 2007 deren Vizepräsident mit der Zuständigkeit für die Akademievorhaben; Vorsitzender der Nietzsche- (seit 2000) und der Kant-Kommission (seit 2001) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Mitglied des Senats der Deutschen Nationalstiftung (seit 2001); Mitglied des Nationalen Ethikrats (2001-2007). Mitglied der Academia Scientiarum et Artium Europaea/Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste sowie Mitglied im Deutschen Ethikrat (jeweils seit 2008).

Als Mitherausgeber verantwortlich für die Kritische Gesamtausgabe der Werke Friedrich Nietzsches (KGW) (seit 2002), als Kommissionsmitglied für die Herausgabe der Schriften von Friedrich Wilhelm Josef Schelling an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (seit 2005), als Kommissionsmitglied für die Betreuung des Nietzsche-Kommentars an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 

Zahlreiche Beirats- und Kommissionsmitgliedschaften, u. a. Gutachter- und Beraterfunktionen im Deutschen Sport (1989-1995), Mitglied im Beraterkreis des Staatssekretärs beim Senator für Wissenschaft und Forschung in Berlin (1996-2000), Vorsitzender der Kommission für die Förderinitiative Bioethik der DFG (1997-2002), Beiratsmitglied in der Volkswagenstiftung (1998-2004), Juryvorsitzender für die Vergabe des Internationalen Kant-Preises (2000, 2002, 2004), Mitglied im Kuratorium der
Schleiermacher-Stiftung (seit 2001), Vorsitzender der Wissenschaftlichen Kommission der Union der Akademien (seit 2002), Mitglied in der Preiskommission der Alexander von Humboldt-Stiftung, Mitglied der Kernkommission Ethik bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport des Landes Berlin (seit 2005), Beratungsfunktionen bei der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD – seit 2006), Mitglied des Hochschulbeirates der Universität Marburg (seit 2007)

Kurzlebenslauf Herr Univ.-Prof. Dr. Michael Quante; Lehrstuhlinhaber für Philosophie an der Universität zu Köln

1962 geb. in Senden (Westfalen), 1982-1989 Studium Germanistik (Lehramt Deutsch) und Philosophie an der FU Berlin und ab 1983 in Münster, 1989 Staatsexamen, 1992 Promotion, verschiedene Lehraufträge und Vertretungen von Dozenturen, Wissenschaftlicher Assistent am Philosophischen Seminar der Universität Münster 1996-2001, Lehrauftrag an der finnischen Hochschule in Jyväskylä 1998; Habilitation 2001. Hochschuldozent am Philosophischen Seminar der Universität Münster 2001-2004; Professurvertretungen an der Humboldt-Universität zu Berlin (2003) und an der Universität Duisburg-Essen (2003/2004), daselbst Ernennung zum Professor für Praktische Philosophie (2004) und seit Herbst 2005 Lehrstuhlinhaber für Praktische Philosophie und Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Universität zu Köln

Von 2001 bis 2003 Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Bioethik an der Universität Münster, seit 2005 Ko-Direktor des Husserl-Archivs der Universität zu Köln, seit 2007 Direktor des Instituts für Ethik in den Lebenswissenschaften der Universität zu Köln. Ausrichtung mehrerer internationaler Tagungen und Kolloquien, u. a. an der finnischen Universität Jyväskylä (2000), Universität Münster (2001 und 2003), Universität Debrecen (2006), Amsterdam (2008). Gutachtertätigkeit bei deutschen und Schweizer Forschungsförderungseinrichtungen, internationalen Zeitschriften, Beirat in Fachzeitschriften; Mitherausgeber der Buchreihen "Ethica", "Hegel-Forum", "Quellen und Studien der Philosophie". Darüber hinaus Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen, Fachbeiträgen usw. 

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Lebenslauf Frau Zsófia Balla, Lyrikerin

 

1949 (15. Januar) im siebenbürgischen  Cluj/Klausenburg/Kolozsvár (Rumänien) geboren; ihr Vater war der 1959 in Cluj gestorbene Dichter, Essayist, Übersetzer und Journalist Károly Balla (der Familienname Blau war in Balla hungarisiert worden); ihre Großeltern hatten die religiös-ethnischen Verfolgungen im NS-Konzentrationslager Auschwitz nicht überlebt
1956-1968 wird sie an der Musikschule im Fach Geige in Cluj unterrichtet

1968 erscheint ihr erster Gedichtband "A dolgok emlékezete" (Das Gedächtnis der Dinge) und begründet ihre Publikationstätigkeit in ungarischer Sprache (mit weiteren sieben Bänden in Rumänien)
1968-1972 studiert sie an der Musikakademie in Cluj und schließt mit dem Lehrerdiplom ab; während des Hochschulstudiums Kontakte zu demokratisch-oppositionellen Gruppen
1972-1985 arbeitet sie als Redakteurin ungarischer Musik- und Literatursendungen in der ungarischen Abteilung des Rundfunks Cluj und in der ungarischen Abteilung des Bukarester Rundfunks, ferner als Autorin bei verschiedenen Literatur- und Kinderzeitschriften; u. a. schreibt sie Kinderbücher und verfaßt ein Libretto für eine Kinderoper
1975 begründet sie ihre Mitgliedschaft im Rumänischen Schriftstellerverband
1978-1982 leitet sie den Literaturkreis GAÁL GÁBOR der Literaturgesellschaft in Cluj bis zu dessen Verbot und Auflösung

1980-1982 leitet sie den – u. a. auf ungarische Volksmusik ausgerichteten – Musikkreis in Dej bis zu dessen Verbot und dem gleichzeitig gegen sie verhängten Aufenthaltsverbot für den Kreis Dej

Ab 1982 nehmen die bereits begonnenen Drangsalierungen und Verfolgungen durch das Ceausescu-Regime aus nationalkommunistischen, ethnischen und religiös-politischen Gründen zu. Dazu gehören das gegen sie von 1980 bis 1990 bestehende Ausreise- und das von 1985 bis 1990 gegen sie verhängte Publikationsverbot.

Ab 1985 beraubt sie die um sich greifende Schließung aller regionalen Rundfunkstudios außerhalb Bukarests  ihrer rundfunkjournalistischen Arbeitsmöglichkeiten in Siebenbürgen.

1985-1990 ist sie als Korrespondentin der in Bukarest erscheinenden ungarischen Tageszeitung Elore (Vorwärts) tätig, jedoch nicht in ihren Fachgebieten Musik und Literatur, sondern zwangsweise für die Bereiche Industrie und Landwirtschaft

Von 1990 bis 1994, das heißt nach der Revolution gegen Ceausescu und dem Staatsstreich unter Illiescu, arbeitet sie als literarische Redakteurin für verschiedene Publikationen (Családi Tükör [Familienspiegel]; Hét [Woche]) und wird Mitglied im ungarischen Schriftstellerverband

1991 wird sie Mitglied im Redaktionsausschuß der im südungarischen Pécs (Fünfkirchen) erscheinenden Literatur- und Kulturzeitschrift Jelenkor [Gegenwart]. Sie beginnt die Herausgabe ihrer Gedichtsammlungen in Ungarn (bis 2011 sechs Bände).

1993 siedelt sie nach Budapest über, wo sie seitdem (zum Teil im Wechsel mit Cluj) lebt und als freiberufliche Schriftstellerin arbeitet

1994 wird sie Mitglied im Vorstand eines der ungarischen Schriftstellerverbände

Ab 1994 verschiedene Aufenthaltsstipendien, u. a. 1994 in Wiepersdorf (Kulturfonds Wiepersdorf); 1999-2000 in Berlin als Gast des Berliner DAAD-Künstlerprogramms (in dieser Zeit beendet sie ihren lyrischen Essay "Bertuka, Lebensgeschichte in Fragmenten"); 2001 im Herrenhaus Edenkoben sowie in der Villa Waldberta (Feldafing/Starnberger See), dem Künstlerhaus der Stadt München; 2004 im Heinrich-Böll-Haus Langenbroich.

 

Ab 1998 erscheinen Gedichtsammlungen auch in deutscher Übersetzung aus dem Ungarischen in verschiedenen Verlagen des deutschen Sprachraums, u. a. "Schönes, trauriges Land" (1998, in der Übersetzung von H.-H. Paetzke), "Spirituoso" (1999, in der Übersetzung von Csaba Báthori), "Schwerkraft und Mitte" (2002, in der Übersetzung und mit einem Nachwort von Daniel Muth = Csaba Báthori); ferner werden Ballas Gedichte in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien aufgenommen.

 

Ballas literarische Wurzeln sind zwar im Siebenbürgischen zu suchen, ihre Texte sind aber längst Bestandteil der gesamten ungarischen Dichtung. Sie konnte aus ihrer Heimat, die – in Csaba Báthoris Worten – „aus heutiger Sicht ein bruchstückhafter Traum von kultureller, ethnischer, künst-lerischer Vielfalt und Vielseitigkeit“ ist, die Treue zur Form, die volksliedhaften Klänge, den ursprünglichen Sprachduktus und auch den politisch zu verstehenden Widerstandsgeist als charakteristische Eigenschaften ihrer Dichtung mit nach Ungarn bringen (zitiert in diesem und im folgenden Absatz nach Veröffentlichungen über Zsófia Balla in der Ungarischen Literaturdatenbank [HUNLIT – www.hunlit.hu], des Petofi-Museums sowie der Reprografischen Vereinigung Ungarischer Schriftsteller und Fachautoren [MASZRE]).

 

Ballas Dichtung weist sowohl rhythmisch als auch thematisch eine große Vielfalt auf. Balla hat formal beinahe alles ausprobiert, von der feierlichen Erhabenheit bis zur Verspieltheit und zur Groteske, von der kompliziertesten Vers- bis zur einfachen Liedform. Als Angehörige einer religiösen und ethnischen Minderheit prägt deren Lebens-, Verfolgungs- und Todesgeschichte ihre Lyrik ebenso nachhaltig wie die Zeit der Ceausescu-Diktatur.

 

Zsófia Balla ist Trägerin mehrerer rumänischer und ungarischer Auszeichnungen und Literaturpreise, wie z. B.

 

1980 Literaturpreis des Schriftstellerverbandes in Cluj
1983, 1991 Preis des Rumänischen Schriftstellerverbandes

1991 Lyrikpreis des Ersten Rumänischen Buchsalons

1992 Tibor-Déry-Preis

1992 Preis der Zeitschrift Magyar Napló [Ungarisches Journal]

1995 Lebenswerk-Preis der Soros-Stiftung

1996 Attila-József-Preis

2001 Ungarischer Literaturpreis

2003 Palládium-Preis

2008 Großer Lorbeerkranz – Ungarischer Staatspreis

 

Auflistung aus ihren Gedichte, Essays und Kurzprosa umfassenden Veröffentlichungen:

 

14 Gedichtsammlungen und eine gemeinsamen Ausgabe (2007):

 

1968 A dolgok emlékezete (Das Gedächtnis der Dinge, Gedichte)
1971 Apokrif ének (Apokryphes Lied, Gedichte)
1975 Vízláng (Wasserflamme, Gedichte)
1980 Második személy (Zweite Person, Gedichte)
1983 Kolozsvári táncok (Klausenburgische Tänze, Gedichte)
1985 Hóka Fóka Fióka (Gedichte für Kinder)
1991 A páncél nyomai (Spuren der Panzerung, Gedichte)
1991 Eleven tér (Lebendiger Raum, Gedichte)
1993 Egy pohár fu (Ein Glas Gras, Gedichte)

1995 Ahogyan élsz (So wie du lebst, Ausgewählte Gedichte)
1997 Triangulum (Drei Marionettenszenen in Gedichtform)
1999 Spirituoso (Spirituoso, viersprachiger Lyrikband)
2002 A harmadik történet (Die dritte Geschichte, Gedichte)

2009 A nyár barlangja (Die Höhle des Sommers)


2007 Balla Zsófia-Alfred Kolleritsch (Gedichte in zwei Sprachen + CD) - (Dichterpaare 1. Kortina Kiadó,)

 

Neben den Druckausgaben sind einige Gedichte in deutscher Übersetzung elektronisch abrufbar unter http://lyrikline.org

 

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Lebenslauf Herr Csaba BÁTHORI, Lyriker, literarischer Übersetzer, Essayist

 

1956 (26. Dezember) im südungarischen Mohács geboren

1963–1971 Schulbesuch in Pécs (Fünfkirchen) und Budapest
1971–1975 Schulbesuch des Piaristen-Gymnasiums in Budapest
1976–1981 Studium der Rechtswissenschaft an den Juristischen Fakultäten der Universitäten in Pécs (Fünfkirchen) und ELTE in Budapest mit Abschlußexamen und Erlangung des Doktorgrades (1981)

1979 erste Veröffentlichung von Gedichten in der Zeitschrift Mozgó Világ [Welt in Bewegung] und von Gedichten und Kritiken in der Kultur- und Literaturzeitschrift Jelenkor [Gegenwart] und Vigília (lat. Wache)
1981 Übersiedlung nach Österreich

1987 Promotion an der Fakultät für Staatswissenschaft und Recht der Johannes-Kepler-Universität, Linz

1987–1996 Wohnsitz in Wien und Beschäftigung als Rechtsreferent in der Zürich-Kosmos-Versicherungsgesellschaft

ab 1989 Beginn einer regen Publikationstätigkeit (Kritiken, Lyrik, Essays, literarische Übersetzungen ins Ungarische und aus dem Ungarischen ins Deutsche), u. a. in Holmi, Újhold-Évkönyv, 2000, Élet és Irodalom, Gyori Muhely Magyar Narancs, Mozgó Világ, Liget, Jelenkor, Vigília, Alibi, Alföld, teils auch in Form von Kolumnen
1996 Rückkehr nach Ungarn, wo er seitdem in Budapest als freischaffender Schriftsteller lebt

 

Seit 1992 hat er eigene Texte in 17 Bänden veröffentlicht, weitere zehn Bände sind Übersetzungen ins Ungarische und zwei Bücher Übersetzungen aus dem Ungarischen ins Deutsche (z. B. Gedichte von Attila József), zum Teil unter dem Pseudonym Daniel Muth (als Verdeutschung seines ungarischen Familiennamens). Bis heute (2011) beläuft sich der Umfang seiner Buchpublikationen auf 35.

 

Er ist verheiratet mit der Lyrikerin Zsófia Balla.


Báthori ist Träger verschiedener Auszeichnungen, Stipendien und Preise, u. a.


1995 Tekintet Preis

1996 Österreichischer Übersetzerpreis

1998 Stipendium der Soros Stiftung

1998 Tibor Szobotka Preis

1999 Stipendium des Collegiums Hungaricum Wien

1999 Arbeitsaufenthalt am Institut für die Wissenschaft vom Menschen (IWM), Wien

2000 Aufenthaltsstipendium in Wiepersdorf (Kulturfonds Wiepersdorf)

2000 Milán Füst Stipendium

2005 Tibor-Déry-Preis

2005–2006 Landis- und Gyr-Stiftung (Zug/Schweiz)

2007 Attila-József-Preis

2011 Hetedhét-Preis

 

Überblick über seine wichtigsten Werke/Veröffentlichungen:

 

1992 Holtverseny (Totes Rennen; Gedichte; veröffentlicht in Wien)
1994–1999 Rainer Maria Rilke, Briefe I–V. (Übersetzung ins Ungarische)
1995 Szövegdokumentumok: Hölderlin a toronyban 1806-1843 (Hölderlin im Turm; Textsammlung, Essay; Übersetzung aus dem Deutschen ins Ungarische)
1995 Egymásodpercesek (Ein-Sekunden-Stücke; Kurzprosa; veröffentlicht in Budapest)

1997 Samuel Beckett: Eleutheria (Übersetzung des dramatischen Theaterstücks aus dem Englischen ins Ungarische; veröffentlicht in Budapest)

1997 Ted Hughes: Varjú [Crow/Krähe] (Übersetzung aus dem Englischen ins Ungarische)
1998 Johann Wolfgang Goethe: Faust I. (Übersetzung aus dem Deutschen ins Ungarische)
1999 Zsófia Balla: Spirituoso (Übersetzung aus dem Ungarischen ins Deutsche)

2001 Zsófia Balla: Schwerkraft und Mitte (Gedichte, Auswahl; Übersetzung aus dem Ungarischen ins Deutsche; veröffentlich in Berlin)
2003 Üvegfilm (Glas-Film; Gedichte; veröffentlicht in Budapest)

2005 A nyíl és a húr (Der Pfeil und die Sehne; Essays und Kritiken)
2005 Ein wilder Apfelbaum will ich werden (Attila József: Ausgesuchte Gedichte auf  deutsch; Übersetzung veröffentlicht unter dem Pseudonym Daniel Muth in Zürich )
2006 A lírikus 123 epilógja. Babits-parafrázisok (Des Lyrikers 123 Epiloge. Paraphrasen über [Mihály] Babits)
2006 Boldog ólom (Glückliches Blei; Gedichte)
2007 Csendélet kakassal. A non-sense-tol a sense-ig (Stilleben mit einem Hahn. Vom Sinnlosen zum Sinn; Gedichte)
2007 Bestiarium Literaricum. Stílusgyakorlatok (Bestiarium Literaricum. Stilübungen; Gedichte)

2007 Játék sötéttel I-II (Essays)

2008 Csapások és csodák (Unglücke und Wunder, zusammen mit Jacques Receveur; veröffentlicht in Budapest)

2008 Római suttogás (Römische Flüsterei; Roman)

2009 Egy kutya naplója (Tagebuch eines Hundes; Roman)

2009 Jel a semmirol (Zeichen über das Nichts; Gedichte)

2010 A hangsúly keresése (Suche nach der Betonung; Essay)

2010 Sétagyakorlatok (Übungen im Spazierengehen; Roman)

2010 William Shakespeare: Szeget szeggel – Szentivánéji álom (Maß für Maß - Sommernachtstraum; Übersetzung zweier Dramen aus dem Englischen ins Ungarische)

2011 Friedrich Hölderlin: Empedoklész halála (Der Tod des Empedokles; Übersetzung des Dramas aus dem Deutschen ins Ungarische)

 

 

Sitz der Gesellschaft
im Collegium Hungaricum Berlin - 10117 Berlin-Mitte

Post nur an Postfach 31 11 24, D-10641 Berlin - E-Mail: info@d-u-g.org

Die einzige
Deutsch-Ungarische
Gesellschaft
in der Hauptstadt

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